Dürfen wir vorstellen: Brownkey Abdullahi, die erste Bloggerin im Flüchtlingslager in Dadaab
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Dürfen wir vorstellen: Brownkey Abdullahi, die erste Bloggerin im Flüchtlingslager in Dadaab

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Dieser Beitrag von Mustapha Dumbuya ist Teil der Zusammenarbeit zwischen ONE und Refugees Deeply und ist im Original am 10.10.2016 auf unserer US Homepage erschienen.

Die 23-jährige Brownkey Abdullahi fühlt sich, wie viele andere junge Menschen, die im größten Flüchtlingslager der Welt in Dadaab geboren und aufgewachsen sind, hier beheimatet. Obwohl sie eine somalische Mutter hat und auf kenianischem Boden geboren wurde, sagt sie sie wäre „weder Kenianerin noch Somalierin …. weder hier noch dort.“

Brownkey unterscheidet sich von anderen jungen Bewohnern des Flüchtlingslagers durch eine besondere Sache – sie ist die erste geflüchtete Bloggerin in Dadaab. Ihre ersten Blogeinträge schrieb sie bereits im Jahr 2013, um der negativen Haltung über die somalische Gemeinschaft in Dadaab etwas entgegen zu setzen. Heute schreibt sie hauptsächlich über die Rechte von Mädchen und Frauen, macht sich stark gegen Frühehe und weibliche Genitalverstümmelung (WGV) sowie häusliche Gewalt. Wir haben uns ausführlich mit ihr unterhalten, um mehr über sie, ihr Schreiben und  ihren Aktivismus zu erfahren:

Brownkey Abdullahi

Brownkey Abdullahi bei ihrer Arbeit in Dadaab

Wie ist das Leben als Bloggerin in Dadaab?

Für mich ist es sehr befreiend meine Geschichten auf meinem Blog zu erzählen. Ich liebe das. Es ist aber auch schwierig hier aus dem Flüchtlingslager zu bloggen, weil wir hier kein kostenloses Internet haben. Die Arbeit ist schwierig, aber ich werde niemals damit aufhören. Auf meinen Blog wirst du sehen, dass ich schon länger nichts mehr geschrieben habe. Das bedeutet nicht, dass es keine Themen gibt, die ich ansprechen möchte, sondern dass ich einfach Schwierigkeiten habe online zu gehen.

Erzähl uns etwas über deine Arbeit in Dadaab.

An diesem Ort bin ich geboren und aufgewachsen. Ich weiß sehr viel über Dadaab. Es ist mein Zuhause. Ich bin „Dadaaberin“. Nationalität ist ein schwieriges Konzept für mich. Ich bin weder Kenianerin noch Somalierin. Von Geburt aus bin ich Somalierin, aber eigentlich stimmt das nicht, denn ich wurde in Kenia geboren und nach Somalia kann ich nicht wegen der dortigen schwierigen politischen Situation. Ich bin weder hier noch dort.

Hier im Flüchtlingslager bin ich Aktivistin und Bloggerin. Aktivistin bin ich geworden, weil ich den negativen kulturellen Überzeugungen etwas entgegen setzen wollte. Als Mädchen konnte ich oftmals nachts wegen der sozialen und kulturellen Probleme in meiner Gemeinschaft nicht schlafen. Ich wollte etwas tun. Die jungen Mädchen hier in Dadaab werden von diesen kulturellen Überzeugungen stark beeinflusst. Hier sind immer noch manche Somalier davon überzeugt, dass Mädchen nicht zur Schule gehen sollten. Oft werden die Mädchen nicht in die Schule geschickt, sondern stattdessen verheiratet. Diese Mädchen sind noch nicht alt genug, was häufig zu Problemen führt. Das und vieles andere beeinflusst die Mädchen in ihrer Entwicklung. Aus diesem Grund wollte ich nicht länger schweigend zusehen, sondern aktiv „Nein“ zu diesen Misshandlungen sagen.

Eine Gruppe von Flüchtlingen in Dadaab, Kenia, im April 2016.

Eine Gruppe von Flüchtlingen in Dadaab, Kenia, im April 2016.

Die Rate der Frühehen ist sehr hoch. Du wirst hier alleinerziehenden Müttern begegnen und wenn du sie nach ihrem Alter fragst kommt raus, dass sie oft nicht mal 18 Jahre alt sind. Welche Zukunft haben diese Mädchen? Das ist wirklich traurig. Ich bin außerdem an [dem Thema] Weibliche Genitalverstümmelung (WGV) interessiert. Global ist das ein großes Thema. Hier in Dadaab ist es Normalität. Viele Mädchen müssen in jungen Jahren diese Prozedur durchleben. Ich muss weinen, wenn ich Mädchen unter acht Jahren sehe, die bereits WGV durchgemacht haben. Selbst wenn sie zur Schule gehen, leiden sie stark unter psychologischen und medizinischen Folgen, was sich auf ihre Leistungen auswirkt. Verpassen sie krankheitsbedingt Unterricht, geraten sie im Vergleich zu den Klassenkameraden in Rückstand. Manchmal wenn ich diesen Mädchen begegne, frage ich sie warum sie keine Schuluniform tragen. Sie erzählen mir dann, dass ihnen der Arzt zur Heirat geraten hat, da dann die Schmerzen aufhören würden.

Das sind einige der Gründe, warum ich Aktivistin geworden bin und mit Mädchen, ihren Familien und der ganzen Gemeinschaft spreche. So erhoffe ich mir, ein paar dieser gefährlichen Einstellungen zu verändern.

Unterstützten dich die Bewohner in Dadaab bei deiner Arbeit als Bloggerin und Aktivistin?

Ja, auf jeden Fall. Meine Familie und einige Bewohner unterstützten mich sehr. Natürlich gibt es auch Gegner meiner Arbeit in Dadaab. Sie werfen mir vor, dass ich westliche Ideologien verbreite. Sie sagen: „Brownkey, du weißt, dass dies unsere Kultur ist.“

Brownkey Abdullahi

Brownkey Abdullahi

Ich verstehe das auch. Es ist nicht einfach etwas Neues zu akzeptieren. Es ist sehr schwer sie von meiner Arbeit zu überzeugen. Aber ein oder zwei Gegner werden mich von meiner Arbeit nicht abhalten. Die Leute gewöhnen sich an Veränderungen und akzeptieren diese langsam aber sicher. Man kann die ganze Gemeinschaft nicht innerhalb eines Tages, Monats oder gar Jahres von Veränderungen überzeugen. Sowas benötigt Zeit und Geduld.

Meine Freunde sind fantastisch, Sie haben mich immer unterstützt und mir gesagt wie wichtig meine Arbeit ist. Sie ermutigen mich immer wieder weiter zu machen. Tatsächlich wusste ich anfangs nichts über das Bloggen oder wie man einen Computer bedient. Ein Freund hat mir das alles beigebracht. Er wohnt nicht mehr in Dadaab – er wurde nach Kanada umgesiedelt. Heute kann ich das alles alleine, aber damals hat er mir sehr geholfen.

Erzähl uns mehr über die Leser deines Blogs.

Meine Zielgruppe sind hauptsächlich junge Menschen wie ich selbst. Viele Probleme mit denen die junge Generation hier in Dadaab konfrontiert ist, werden in den Medien kaum aufgegriffen. Viele junge Bewohner benutzen die Sozialen Medien anstelle der etablierten Medien. Sie erzählen mir, dass sie nur noch selten Radio hören oder die Zeitung lesen. Stattdessen lesen sie meinen Blog.

Folge Brownkey Abdullahi auf Twitter und auf ihrem Blog.

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